Alberto Cirá

Alberto Cirá wird in den sechziger Jahren in Florenz geboren, wo er lebt und arbeitet. Nach klassischen Studien promoviert er in Literatur und Philosophie an der Unversitšt in Florenz und widmet sich zur gleichen Zeit der Vertiefung verschiedener Maltechniken.

Er studiert Grafik und Incision (Gravierung/Stich) an der Internationalen Grafikschule "ll Bisonte" und besucht danach Restaurierungskurse an der Universität für Kunst in Florenz.

 

Seine Aktivitäten als Maler beginnen 1988 als surrealistischer Illustrator und gelangen Anfang der 90er Jahre zu einem abstrakten Geometrismus mit informellen Ansätzen.

 

Die letzte Produktion inspiriert sich an der Erstellung antiker botanischer Codes. Die Blume, zentrales Symbol, wird zerlegt, katalogisiert, studiert und teilweise ausgelöscht in einer lyrischen Empfehlung, in der man die Tradition des italienischen Stillebens in den Spuren der Form und Farbe erahnt.

Alberto Cirá gewährt uns in seinen Blumenbildern einen persönlichen Einblick in seine Vergangenheit, seine Kindheitserinnerungen.

Die Blumenbilder sind ein geschlossener Werkzyklus in Cirŗs Ćuvre. Zu diesen Arbeiten hat ihn das Meisterwerk "La Primavera" von Alessandro Botticelli inspiriert. Das Gemälde sah er in seiner Kindheit zum ersten Mal. In Erinnerung blieb ihm vor allem die dargestellte Natur, die Wiese unter den Füßen Floras. Diese visuelle Erinnerung hat in Cirá ein Gefühl hervorgerufen, das ihn seit seiner Kindheit begleitet und sich in allen Bildern und jeder Blumenart wiederfindet, die er malt. Insbesondere inspirierte Cirá, daß die Blumen in diesem Bild eine Metapher für die Vergänglichkeit sind.

 

Seit der Antike ist der Mensch fasziniert von der Schönheit der Natur. Diese Faszination dokumentieren verschiedenste Kunstwerke aller kunsthistorischen Epochen. Darüber hinaus sind Blumen fester Bestandteil unserer Kultur. Blumen sind Symbole des Lebens und der Vergänglichkeit. Sie werden beim Festmahl auf den Tisch gestellt, zu Hochzeiten vor die Füße des Brautpaares gestreut, zu Geburtstagen verschenkt und bei Beerdigungen als Zeichen des Lebens mit ins Grab gegeben.

       

Cirá geht es nicht um das konkrete Abbilden einer bestimmten Blume im botanischen Sinne, vielmehr interessiert ihn ein inneres Bild der Blume. Die Pflanzen werden als Farbe und Licht gedeutet und lediglich als Idee dargestellt. Die Blumendarstellungen sind von Schriftzügen begleitet, die die Pflanzen definieren

.In unregelmäßiger Schrift entstehen Texte in lateinischer und italienischer Sprache, die sich auf die dargestellten Pflanzen beziehen. Cirás Inspiration hierfür sind die mittelalterlichen "HortiPicti", handgeschriebene Pflanzenbücher, in der die Darstellung durch Schrift erläutert wird.

 

Durch Übermalungen und Verwischen ist es jedoch nicht möglich, Cirás Text und das Dargestellte in einem konkreten Sinnzusammenhang aufeinander zu beziehen. Es entstehen geheimnisvolle Kürzel neben klar verständlichen Worten, die zu einer Lyrik des Zufälligen werden und eher die Phantasie des Betrachters anregen, als die Pflanzen zu erläutern.

 Das Weiß der Bildhintergründe drängt sich über die Farbflachender Blumen, so daß diese teilweise überdeckt werden. Konkrete Formen werden verwischt und stellenweise durch Wasserspuren regelrecht zerfressen. So wird einerseits die Zartheit der Blüten, andererseits auch ihre Vergänglichkeit deutlich.

Cirás Arbeitsprinzip des Überlagerns, Auf- und Abtragens von Farbe mittels Pinsel, Wasser oder weißer Farbe spiegelt das gleiche Prinzip des Ineinandergreifens von Darstellung und weißem Bildhintergrund. Die Farbe behält ihre Pigmentstruktur und bildet keine homogene Farbfläche, so daß die Bilder Leichtigkeit und Bewegung ausstrahlen

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Vielleicht liegt der Erfolg von Alberto Cirás Blumenbildern nicht nur in ihrer Schönheit, sondern auch in ihrer besonderen Ausstrahlung. Darin, daß sie unser Bedürfnis nach Harmonie erfüllen und daß sie uns in unserer von Technologie und Urbanität geprägten Zeit auf romantische und poetische Art und Weise ansprechen und bereichern.