CLAUS REICHERT - BÖHME

 

 

 

 

Claus Reichert-Böhmes Kunstwerke sind Protokolle eines jahrzehntelangen inneren Dialoges.

Sein Kunstschaffen versteht Reichert-Böhme als eine existenziell notwendige Auseinandersetzung mit der Schöpfung, mit dem Sein. Im Akt seiner Malerei, dem Informel nahe und damit Antoni Tapies, Cy Twombly oder auch Mark Rothko verwandt, macht er sich auf die Suche nach der eigenen Identität. Im Erleben der Bildschöpfung, erfährt sich Claus Reichert-Böhme der Schöpfung näher.

Im Gespräch äußerte er: “Es ist geschrieben: Im Anfang war das Wort… Auf der Suche nach Worten, finde ich Bilder.“ und fügt hinzu: „ Man träumt ja auch nicht in Worten , sondern in Bildern.“

Mit der Kennzeichnung des emotionalen Topos Bild, grenzt sich Claus Reichert-Böhme ab von dem rational kognitiven Zugang mancher Gegenwartskunst.

In seinen mittelformatigen Bildern erscheinen kryptische Zeichen und Symbole als Chiffren einer vergangenen oder kommenden Welt, ebenso deutbar als Aussage über das Unverständnis der Gegenwart. Mit den Mitteln des Experiments nähert sich der Künstler neuen Bildinhalten, die zumeist abstrakt, vereinzelt aber auch figurative Elemente beinhalten.

Immer wieder verwendet er das Kreuzzeichen, wie bei Tapies, in seinen Bildern als Markierung, Ritzung, Verankerung und häufig auch als archaisches Kompositionsschema. Die Positionierung des Zeichens kann als Kennzeichnung einer unleserlichen Stelle oder Hervorhebung, im Kontext des Gesamtbildes interpretiert werden.

Ebenso wie Tapies, verwendet Reichert-Böhme bei seinen Werken Sand, Papiere Stoffe, Naturmaterialen und Farbe, bringt sie in einen neuen Sinnzusammenhang und fixiert sie auf der Leinwand, dem Medienträger, mit Kunstharz. Dort werden sie noch in feuchtem oder gehärtetem Zustand bearbeitet, Farbschichten dazugefügt, abgetragen, neu beurteilt.

In mittelalterlicher Grisailletechnik mehrfach übermalt, entstehen so atmosphärisch, transzendende Bilder von bestechender Ausgewogenheit und Ästhetik. Oft übermalt Reichert-Böhme bis zu drei-, viermal ein Bild bis es seinem strengen sensiblen Kompositions- und Farbempfinden entspricht. Seine Disziplin, seine Schaffenskraft und  seine Formensprache erinnert an den Formcodex der Malerei des Zen. Dunkelbraune, rostbraune, erdenschwere Töne, die bis zu einem tiefen Schwarz kulminieren, werden abgelöst durch zarte, blaue Formate mit figurativen Zitaten von kosmischer Transzendenz.  „Die Welt klingt. Sie ist ein Kosmos der geistig wirkenden Wesen. So ist die tote Materie lebender Geist!“ Dieses Zitat von Wassili Kandinsky kennzeichnet treffend den Schaffensprozess von Claus Reichert-Böhme.

Kräftige Polarisierungen von roten, heterogen Flächen im Kontrast zu cremfarbigem Weiß, welches den Bildträger, die Leinwand miteinbezieht, entstanden in den letzten Jahren. Der Dialog mit Farb- und Materialwirkungen, mittels grafischer Notationen und Akzente gesteigert, erzeugt hochästhetische, nahezu virtuelle Bildwelten, die den Betrachter in eigentümlich, anregender Weise zu vielfältigen Deutungen herausfordern.

Immer wieder überrascht Claus Reichert-Böhme mit neuen Bildschöpfungen, die in ihrer Charakteristik den verschieden Schaffensphasen eindeutig zuzuordnen sind.

In den vergangenen Jahrzehnten hat er so ein umfangreiches über 500 Werke umfassendes Ouevre geschaffen, das in der regionalen Kunstwelt des Südwestens einen herausragenden Platz einnimmt, jedoch international noch seiner Entdeckung harrt.

MCM