ALEXANDRA HUBER

Glück braucht Gesellschaft“

 

Kraftvoll, farbenfroh und erheiternd sind die Acrylarbeiten, Collagen und Zeichnungen der Münchener Künstlerin Alexandra Huber. Kleine und große Strichmännchen wie von Kinderhand, gemalt in Acryl, mit Bleistift gezeichnet, geritzt in Farbe, immer in Interaktion vor einem gestisch und kraftvoll aufgetragenen Farbfeld in reduzierten Erdtönen oder leuchtenden Grundfarben.

Eine große Rolle In Alexandra Hubers Werk spielt die bürgerliche Idylle: die romantische Liebe, der eigene Acker, Haus und Wurzeln sind ihre bevorzugten Themenfelder, die sie mit ihren ironischen Bildtiteln augenzwinkernd beleuchtet. Ihre bejahende Energie spiegelt sich in jedem einzelnen Bild wider. Die Figuren werden von Ereignissen überrascht, genießen Mußestunden, gehen in sich, machen Bekanntschaften der dritten und vierten Art, kurz: sie kosten das Leben mit allen Sinnen und aller verfügbaren Poesie aus.

Die Beziehung zwischen Frau und Mann ist eins ihrer zentralen Motive. Innige Verbundenheit, Freundschaft, Respekt und Achtung vor dem Partner werden bei Alexandra Huber leicht und fröhlich ins Bild gesetzt. Ihre Paare schweben auf den Schwingen einer unbekümmerten Heiterkeit. Angezogen voneinander wie in einem Magnetfeld offenbart sich eine vibrierende Energie in Wellen und Schwingungen, die oft mit roten gezackten oder spiralförmigen Linien ins Bild gesetzt werden. Alexandra Huber ist eine genaue Beobachterin alltäglicher Szenen, Gemütslagen und Träume. Die meist mehrdeutigen Bildtitel lassen den Betrachter die Botschaft des Bildes schon erahnen. Alexandra Hubers Darstellungen beinhalten immer auch einen bildhaften, mitunter auch sarkastischen Wortwitz. 

Alexandra Huber hat sich für die raue Malweise der Art Brut (franz.: roh, unverbildet) entschieden – die Verehrung für Jean Dubuffet schimmert stets durch die Acrylfarbschichten. Wie in den Werken des berühmten Förderers der sogenannten Outsider Art fügen sich die auf- und abgetragenen, geritzten und collagierten Schichten zu einer abenteuerlichen Bildoberfläche.

Dubuffet und die Künstlergruppe CoBrA (1948-1951) fanden im scheinbar primitiven künstlerischen Ausdruck von psychisch Kranken und Kindern eine ungeahnte Freiheit der Form und die Öffnung der Wahrnehmung für weitgehend unbekannte und nie gemalte emotionale Zustände. Art Brut ist weder eine konkrete Kunstrichtung noch eine Stilbezeichnung, sondern umschreibt einen Ausdruck jenseits etablierter Kunstformen und –strömungen. Diese meist autodidaktische Kunst fasziniert den Betrachter mit einer ganz eigenen naiven und antiakademischen Ästhetik und erfährt gerade international erneut große Beachtung.  

Ob großformatige Leinwand, gerahmt oder direkt an die Wand geheftet oder kleinere Arbeiten auf Papier, ob bemalte hölzerne Dyptichen, Stelen oder die 15 x 15 cm kleinen Blockseiten, die regelmäßig in Form eines Tagebuchs publiziert werden: Alexandra Hubers Werk ist geprägt von der Mannigfaltigkeit der Formen und einer unerschöpflichen Produktivität - wie das Leben selbst, das uns jeden Augenblick eine neue, noch unbekannte Façette offenbaren kann.

Neben der Leidenschaft für humorvolle Szenen ist es ihre Freude an Sinnsprüchen, die sich durch ihr Werk zieht. Begleitet werden die Erfahrungen ihrer Figuren in der realen oder auch fantastischen Welt durch kleine Sprüche in Deutsch oder Englisch, die, meist als Bestandteil des Bildes, auch seinen Titel liefern. Denn Alexandra Huber ist nicht nur eine genaue Beobachterin, sie ist auch eine begnadete Aphoristikerin: „Heute geh’n wir kleine Freuden sichten“, „sag einfach JA“, „Pflege deine Aura“ – alles ist offen für das Gute. Sich wundern, staunen, freuen. Diese Sätze leuchten wie Sonnenstrahlen, geben Trost, regen zum Nachdenken an. Sie sind voll Witz, doch frei von jeglichem Zynismus und dadurch verletzlich. Und jeder findet sich darin ein Stück weit selbst wieder.