DOROTHEA DUDEK

12. März bis 9. April 2016

Dorothea Dudek

Das Bild beginnt mit dem Blick der Malerin, der Entdeckung eines Motivs. Bei Dorothea Dudek geschieht dies sozusagen aus dem Augenwinkel, beim Vorbeigehen, im Umherschweifen.

Fotografien bilden die Grundlage für ihre gegenständliche Malerei  - Schnappschüsse auf ihren Reisen, manchmal in Bewegung gemacht, auf Zugfahrten, aus dem Rückfenster auf der Autobahn oder Stills, vom Fernseher abfotografiert. Das Spektrum ihrer Momentaufnahmen ist breit gefächert und reicht von Menschendarstellungen über Straßenfluchten bis zu rätselhaften Interieurs. Der immer mehr oder weniger unscharfe Blick auf ganz alltägliche Szenarien gibt diesen etwas Traumartiges und entrückt sie aus der realen Welt. Die Motive werden entmaterialisiert und aufgelöst. Damit erzielt die Künstlerin ein Bild der Gegenwart, das zwar Flüchtigkeit und Vergänglichkeit widerspiegelt, andererseits aber selbst nichts Vergängliches hat. Scheinbar belanglose Momente werden bewahrt, auf Leinwand gebannt und dienen so als dauernder Spiegel unserer Lebenswelt. Dem Betrachter teilt sich die Verletzlichkeit und Unsicherheit der eigenen Wirklichkeit mit.

Warum stellt eine Malerin heute die – erkennbare - Wiedergabe von Städten und Menschen in den Mittelpunkt ihres Schaffens? Dorothea Dudek geht es um die Koexistenz verschiedener Realitätsebenen, die sich, auch bei aller scheinbarer Gegensätzlichkeit, auf eine interessante Art ergänzen oder den Eindruck der jeweils anderen Ebene sogar steigern können. Ihren Bildern gelingen themenbezogene, differenzierte Annäherungen. Diese Künstlerin beherrscht die Malerei der feinen Abstufungen und Lasierungen, die lebendige Wiedergabe von Lichtern und Spiegelungen, die plastische, haptische Ausarbeitung von Gesichtern, Körpern und Proportionen, die genaue Darstellung von Raumtiefen und somit ein klassisches Repertoire der Kunst, von ihr meisterhaft ausgeführt.

Eine zurückhaltende Farbpalette, manchmal nahezu monochrom, oft in abgetönten Nuancen und von diffusem Lichteinfall verschleiert, unterstützt noch die mitunter melancholisch entrückte Atmosphäre, die den Bildern Dorothea Dudeks eigen ist - verlassene Orte, Menschen, die sich abwenden oder ganz bei sich sind, die den Betrachter zum Voyeur eines intimen Momentes machen, in dem sich die Dargestellten nicht beobachtet glauben.

Eine ganz eigene Stimmung haben diese Bilder  – sie erinnern an Filmszenen, die Interieurs vor allem an leere Bühnen. Licht und Schatten als Gegenpole sind die wichtigsten Gestaltungsmittel. Sanfte Spiegelungen auf dem Fußboden erweitern den Raum nach unten, Gegenstände oder Wände fangen das restliche Licht auf; der Raum im Bild dehnt sich oder wird teilweise aufgelöst.

Andere Bilder sind als Close-Ups konzipiert, mit ganz engen Anschnitten; der Titel „Short stories“ suggeriert dem Betrachter, in eine Geschichte einzutauchen, die er sich selbst erzählen darf. Bei aller gegenständlichen Wiedergabe bleibt ihm schließlich doch genügend Raum für seine Phantasie und eine eigene Interpretation der Szenarien.

Dorothea Dudek (*1960 in Lodz) lebt und arbeitet in Augsburg.

Katja Weeke M.A.