HAUTNAH

14. April - 11. Mai 2013

Diese Ausstellung möchte Ihnen die unterschiedlichen Arbeiten der eben vorgestellten Künstler präsentieren, um die Divergenz der Akt-Motivik zu verdeutlichen und Ihnen als Besucher die Gelegenheit zu bieten „hautnah“ die Brisanz des Aktes in der zeitgenössischen Kunst zu ergründen.

Sechs verschiedene Künstler widmen sich dem Thema Akt anhand aktueller Positionen zeitgenössischer Kunst. Die künstlerische Diversität drückt sich nicht nur in den verschiedenen Denkstrukturen der Künstler aus, sondern auch anhand ihrer bildnerischen Annäherung an das Motiv des nackten, menschlichen Körpers in den Medien Malerei, Aquarell, Radierung und Bildhauerei. Mit der Behandlung dieses Genres hinterfragen die Künstler gesellschaftliche Konventionen und Wertvorstellungen eines in Gegenpolen gedachten ‚richtig und falsch‘, eines ‚Schwarz und Weiß‘ und brechen gesellschaftliche Einengungen auf. Sie schaffen ein Bewusstsein für freies Denken, Fühlen und Handeln, welches das Wohl des Menschen in den Fokus rückt.

Die Akt-Kunst gilt in der kunstgeschichtlichen Tradition als eines der ältesten und mannigfaltigsten Genres. In der Frühgeschichte hatte der Akt kultische Funktionen. Erst in der Klassischen Antike wurde er zum autonomen Kunstgegenstand. Im Mittelalter wurde der Akt zurückgedrängt und fand allein in religiösen Motiven, welche die Nacktheit zwingend erforderten, seine Berechtigung. Leonardo da Vinci und Albrecht Dürer untersuchten in Selbstporträts das eigene Ich und erhoben Aktteilstudien, wie etwa Skizzen der Hände, zu eigenständigen Kunstwerken. Im 19. Jahrhundert wurde die Darstellung des Aktes von der Einengung auf mythologische, historische oder religiöse Zusammenhänge befreit. So zeigten impressionistische Künstler, wie etwa Édouard Manet in dem Gemälde „Das Frühstück im Grünen“ eine Gruppe junger Männer und eine nackte Frau beim Picknick im Park. Manet legte dabei den Fokus auf körpersprachliche Details, um die Innenwelt des Individuums mit seinen Träumen, Ängsten und Hoffnungen aufzuzeigen. Die Malerin Paula Modersohn-Becker hatte den Mut ihren eigenen Körper als Aktmodell zu wählen und sich in ihrem Selbstbildnis verletzlich zu zeigen. Im Expressionismus wurde die Aktmalerei benutzt, um inneren Gefühlsregungen Ausdruck zu verleihen. Der Akt hat bis heute nicht an Brisanz und Aktualität eingebüßt und übt auf Künstler wie auch Betrachter eine große Anziehungskraft aus.