HUBERT HEINRICH

 „Ich möchte nichts machen, was 10 000 andere machen“. Das ist doch selbstverständlich möchte man zunächst meinen für jemanden, der künstlerisch arbeitet und mit der eigenen Wahrhaftigkeit ringt. Dieses Zitat zeigt aber vor allem Eines: ein kreatives Spannungsfeld. Die Suche nach dem Individuellen bei gleichzeitiger Begeisterung für den Konstruktivismus, der sich von allem Individuellen und Subjektiven losreißen wollte. Hubert Heinrich ist von Kasimir Malewitsch, dem Begründer des russischen Konstruktivismus, fasziniert und von Wassily Kandinsky, der sich vor allem durch seine Arbeit “ Über das Geistige in der Kunst“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Vater der modernen und abstrakten Kunstentwicklungen verdient gemacht hat. Die konstruktivistischen Ideen der 1920er, dass Farben und Formen für sich sprechen sollten und dass die klassische Malerei der Abbildung auf einem Nullpunkt angekommen ist und nach neuen Formen verlangt, hat Hubert Heinrich bereits zu Beginn seines künstlerischen Weges verinnerlicht. Es ist in der Tat ein Wendepunkt in der klassischen  Malerei, angefangen mit den kubistischen Verfremdungen, wurde bei den Konstruktivisten nichts mehr abgebildet. Man zerbrach sich den Kopf über das was darauf folgen kann. Was kommt nach der Auflösung der Form und der Zerlegung der Malerei in Ihre Grundbestandteile: der Grundfarben Gelb, Rot und Blau? Was ist der nächste innovative Schritt dieses Grundgedankens? Was sind die Visionen vom Leben in der heutigen Zeit?

Die zeitgenössische Malerei hat immer wieder diesen Kerngedanken aufgenommen. Einige fanden wieder zu Formen der realistischen Malerei zurück wie Edward Hopper oder Neo Rauch, andere erweiterten und erhöhten den Abstraktionsgrad wie Jackson Pollock. Wieder andere stellten die Frage direkt „Who is afraid of Red, Yellow and Blue“, wie Barnett Newman, der damit seine eigene Angst und sein Ringen um künstlerische Innovation brillant und gekonnt zum Ausdruck bringen konnte.

Aber zurück nach Aachen, zurück zu Hubert Heinrich. Er ist kein Konstruktivist, er ist ein Neo-Konstruktivist. Er bringt die konstruktivistischen Ideen mit den modernen und neuen Medien gekonnt zusammen und entwickelt diese weiter. Die modernen Informationstechnologien sind in ihrem Prinzip der konstruktivistischen Malerei ähnlich: mit wenigen Grundformen 0 und 1 lassen sich Informationen speichern und übermitteln, als auch jegliche Illusion aufbauen. Das Prinzip ist unpersönlich.

Heinrichs Bilder offenbaren den Einfluss der digitalen Fotografie und des Computers nur allzu deutlich. Seine Arbeiten sind allesamt aus Fotografien hervorgegangen, deren Motive er lange selbst sucht. Sorgfältig wird die Fotografie in ein Gemälde verwandelt, die Formen werden abstrahiert und alle Dinge sind scharf voneinander getrennt. Wie ein Klassizist beherrscht er die klare Linie. Das eigene Wesen und die Gefühle scheinen sich in dieser Art der Malerei nicht wiederzuspiegeln- das sich Zurücknehmen ist zum Prinzip erhoben und ermöglicht eine präzise und klare Abbildung der bloßen architektonischen Elemente. Auch darin greift er die konstruktivistischen Ideen auf: in dem Zurücknehmen des Eigenen zugunsten einer kollektiven Freude. Diese Ideen sind verständlich, zumal sie damals vor dem Hintergrund der russischen Revolution entstanden sind. Aber was ist heute? Gegen wen rebelliert Heinrich, mag sich da Einer fragen.

Seine Motive sind urbaner Art. Darin findet er die konstruktivistischen Gedanken in der reinen, zweckdienlichen Architektur wieder: die Suche und Gestaltung einer neuen universalen Ordnung, die über das einzelne, Individuelle weit hinausgeht. Nur ganz vereinzelt tauchen Menschen auf in Heinrichs Bildern. Zu sehr interessiert ihn der bloße Aufbau der unbelebten Dinge. Darin offenbart sich mitunter auch eine stille Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch und Technologie beziehungsweise dem Computerzeitalter. Die Leere der Städte, Häuser und Schächte ist konstruiert. Seine Bilder sind wie eine Synergie von der künstlichen Cyberwelt, die uns zunehmend umgibt und der Frage nach den Grundprinzipien der urbanen Ordnung und Ordnungsprinzipien überhaupt. Hubert Heinrich beschäftigt sich mit dem, was uns tagtäglich umgibt und dessen Einfluss, der uns nicht mehr bewusst ist. Nebenbei wird er zu einem zeitgenössischen Chronisten der Stadt. Viele architektonische Veränderungen der historischen Stadt Aachen sind in seiner Malerei festgehalten.

 

Hubert Heinrich wurde 1960 in Aachen geboren.

1981 -1982 Fachoberschule für Gestaltung in Aachen

1988-1994 Studium an der FH Aachen bei Prof. Christiane Maether

seit 1992 Auseinandersetzung mit konstruktiver Gestaltung

1995-1997 Lehrauftrag an der FH Aachen

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