Benoît Trimborn - Landschaft

Hinter dem Begriff Landschaft versteckt sich die subjektive und kulturell geprägte Wahrnehmung einer ländlichen oder urbanen Struktur, die als ästhetische Einheit erlebt wird. Die Naturlandschaften in den Gemälden des Künstlers Benoît Trimborn entspringen seinen ganz persönlichen Erfahrungen in den ländlichen Gefilden seiner Heimatregion in Frankreich. Trimborn fasziniert „die Beschaffenheit der Landschaften“ die ihn an „die gewöhnlichsten Bewohner und Kulturen“ erinnern. Der individuelle Blick des Künstlers zeigt sich in der Wahl seiner Motive. Er interessiert sich für die grasenden Kühe auf der Weide, für die Hasen, die quer über die Felder Haken schlagen und die Krähen, die in den Lüften ihre Flügel weit schwingen. Die Bilder von Trimborn sind reduziert komponiert und nie überladen. Ganz sensibel fängt er die Schwingungen seiner Umwelt ein, schenkt dem Gewöhnlichen seine Aufmerksamkeit, wie Weizenfeldern, Weinreben, Baumgruppen und Seestücken. Dabei verwandeln sich die Nebelfelder und Regenschauer in der Natur in bezaubernde und ausdrucksstarke Bilder, die sich immer wieder dem Blick des Betrachters entziehen und das Wesentliche zum Beispiel hinter dichten Nebelschwaden im Unklaren belassen. Die Gemälde der unspektakulären Motive werden durch all diese kleinen Geheimnisse, die tief im Verborgenen schlummern, spektakulär. Die reduzierte Komposition und das Verbergen und Offenlassen setzt Trimborn ganz bewusst ein, um Raum für die Gedanken und Assoziationen des Betrachters zu belassen und den Blick nicht auf vorherbestimmte Pfade zu führen. „Bei einer zu großen Vielzahl an Effekten und Eindrücken kann keine Emotion entstehen: Je weniger dargestellt wird, desto mehr bleibt der Vorstellung überlassen.“ In dem Herbstgemälde „Automne“ führt Trimborn den Betrachter mitten in ein Waldstück bei Tageslicht. Die Äste der hohen Bäume wehen sanft im Wind. Das Gemälde läutet den Beginn der Herbstzeit ein, die Blätter am linken Bildrand sind noch in tiefem dunkelgrün gehalten, während die Blätter der Bäume im Zentrum bunt eingefärbt sind und in nuancierten Gelb- und Rottönen schimmern und leuchten. Hinter den Baumkronen dringt der wolkenverhangene, aber helle Himmel immer wieder durch und verleiht dem Bild eine beruhigende Aura.

Benoît Trimborns Oeuvre ist durchdrungen von wunderschönen Naturmomenten, Berglandschaften, nebulöse Landschaften, wie zarten Wasserspiegelungen, die alle eine große Ruhe und eine immense Kraft ausstrahlen. In dem Gemälde „Corse“ stellt Trimborn die Gebirgslandschaft Korsikas mit einem in Blautönen changierenden Himmelszelt dar, über das Firmament zieht eine leichte Wolkenformationen hinüber. Mit diesem Interesse an dem Einfangen der Natur als Momentaufnahme und der Darstellung der Atmosphäre in einem bewusst ausschnitthaften Bildraum knüpft Trimborn an die Tradition des Impressionismus an. Die Unmittelbarkeit der Aufnahme eines bestimmten Augenblickes und die zufällig erscheinende Wahl eines Bildausschnittes sind charakteristische Merkmale impressionistischer Bildwerke, die sich auch im Oeuvre Trimborns wiederspiegeln. Er geht mit seiner Technik, die sich zwischen Abstraktion und Fotorealismus bewegt, aber ganz neue Wege. Diesen Spagat zweier unterschiedlicher Techniken erreicht Trimborn durch den Aufbau seiner Kompositionen und seine Technik. Wie beim Pflügen eines Ackers reisst Trimborn die pastosen Farbschichten auf, zerstört das bereits Vorhandene, strukturiert es um und widerruft immer wieder seinen Strich. So erscheint die Oberfläche uneben und mehr-schichtig. Trimborn ist ein virtuoser Maler, der mit seinen Werken wundervolle Stimmungen einfängt, es sind „gewisse Orte auf dem Land“ die ihn reizen und „mich zum Malen anregen. So dass ich mir den Übergang zwischen dem Raum der Landschaft und dem Raum der Leinwand vorstelle.“ Die Werke von Benoît Trimborn gelingt es dieses Hinübergleiten von Landschaftsraum in den Bildraum zu transportieren und die besonderen, kurzweiligen, aber so bedeutenden Momente auf die Leinwand zu bannen.